Fachbeiträge zur digitalen Transformation im Finanz- und Rechnungswesen

Viel Dynamik, wenig Klarheit: Genau hier kippt Finanzplanung

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Die Anforderungen an Planung und Steuerung verändern sich im Finanz- und Rechnungswesen spürbar. André Reichenthaler von der CSS AG hat das in unserem Webinar vom 26. März 2026 klar beschrieben. Früher konnten viele Unternehmen noch mit vergleichsweise stabilen Jahresannahmen arbeiten. Heute verändern sich Geschäftsmodelle, Verantwortlichkeiten, Kostenstrukturen und Marktbedingungen deutlich schneller. Gerade im Mittelstand, wo Reorganisationen, neue Geschäftsfelder, Beteiligungen oder Systemanpassungen parallel zum Tagesgeschäft laufen, gerät damit nicht nur die Planung unter Druck. Es gerät vor allem die strukturelle Grundlage ins Wanken, auf der belastbare Planung überhaupt erst aufsetzt.

Die Zuspitzung von André Reichenthaler ist klar: Planung allein reicht nicht mehr aus, und klassische Konsolidierung ebenfalls nicht. Nicht, weil diese Instrumente fachlich überholt wären. Sie bleiben notwendig. Aber sie greifen zu kurz, wenn sich Strukturen, Zuordnungen und Steuerungsgrößen laufend verschieben. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wie Unternehmen noch exakter planen. Wichtiger wird, wie sie ihre Daten-, Struktur- und Entscheidungslogik so beweglich halten, dass Planung unter veränderten Rahmenbedingungen valide bleiben kann.

Intransparenzen entstehen nicht im Excel, sondern in der Struktur

André Reichenthaler beschreibt Intransparenzen in der Finanzplanung vor allem als fehlende Klarheit über die tatsächliche Geschäftssituation hinter dem Zahlenmaterial. Zahlen können auf den ersten Blick stabil wirken und müssen dennoch anders gelesen werden, weil sich dahinter Geschäftsaktivitäten, Verantwortlichkeiten, Profit-Center-Strukturen oder organisatorische Zuschnitte verschoben haben. Genau darin liegt ein zentrales Risiko moderner Finanzsteuerung. Nicht jede relevante Veränderung zeigt sich sofort in Abweichungen oder offensichtlichen Auffälligkeiten im Reporting. Entscheidend wird deshalb die engere Verknüpfung von Finanzdaten mit organisatorischen Entwicklungen und strukturellen Veränderungen.

Besonders kritisch wird diese Lage, wenn neue Geschäftsfelder, M&A-Aktivitäten oder organisatorische Umbauten hinzukommen. Anpassungen an Berichtsstrukturen, Datenmodellen oder Verantwortlichkeiten werden dann häufig projektweise über externe Beratung oder IT umgesetzt. Jede strukturelle Änderung wird damit zu einem eigenen Mini-Projekt. So entstehen Phasen, in denen Zahlen zwar vorliegen, ihre Aussage aber nicht mehr eindeutig ist. Intransparenz entsteht dort, wo sich der operative Kontext verändert hat, ohne dass diese Veränderung in der Struktur- und Datenlogik sauber nachvollzogen worden ist. Transparenz ist damit kein reines Dashboard-Thema, sondern vor allem ein Strukturthema.

Operative Kontinuität braucht anpassbare und zugleich robuste Systeme

André Reichenthaler formuliert im Webinar, dass Unternehmen ihre Systeme autonom im Griff halten müssen, um unter dynamischen Bedingungen zu sauberen Entscheidungen zu kommen. Dahinter steht keine pauschale Technologieforderung, sondern eine klare Anforderung an die Systemarchitektur. Wenn sich Geschäftsaktivitäten, Verantwortlichkeiten oder Organisationsstrukturen laufend verändern, brauchen Finanzbereiche Systeme, die sich mit vertretbarem Aufwand anpassen lassen. Gemeint ist vor allem die Erweiterbarkeit von Datenstrukturen, Zuordnungslogiken und Berichtsebenen, ohne dass jede Änderung sofort ein eigenes Projekt mit IT oder externer Beratung auslöst.

Gleichzeitig geht es nicht um maximale Offenheit, sondern um die Balance aus Flexibilität und Robustheit. Systeme müssen veränderbar sein, ohne ihre Konsistenz und Verlässlichkeit zu verlieren. Im Kern geht es um drei Eigenschaften:

  • Anpassbarkeit, damit neue Einheiten, Zuschnitte oder Verantwortungen schnell abgebildet werden können
  • Robustheit, damit die Daten- und Berichtslogik trotz Veränderungen konsistent bleibt
  • Eigenständigkeit, damit Fachbereiche nicht für jede Anpassung in neue Umsetzungsprojekte geraten

Erst diese Kombination macht Systeme unter dynamischen Bedingungen wirklich steuerungsfähig.

Planungssicherheit unter Unsicherheit brauchte Szenarien statt Fortschreibung

Ein weiterer Punkt von André Reichenthaler betrifft die Frage, wie unter Unsicherheit und Volatilität überhaupt noch Planungssicherheit entsteht. Seine Antwort ist klar: nicht über lineare Fortschreibung. Unternehmen bewegen sich heute in einem Umfeld, das von Unsicherheit, schwankenden Rahmenbedingungen und fortlaufenden Veränderungen der Geschäftssituation geprägt ist. Genau deshalb reicht es nicht mehr aus, einmal im Jahr einen Plan aufzusetzen und ihn im Jahresverlauf nur punktuell zu aktualisieren. Planung muss so angelegt sein, dass unterschiedliche Entwicklungen jederzeit mitgedacht und im Blick gehalten werden können.

Dafür braucht es die Fähigkeit, mehrere Szenarien parallel zu führen und fortlaufend zu bewerten. Gemeint ist kein zusätzlicher Planungsschritt für Ausnahmesituationen, sondern ein Steuerungsmodell, das Basis-, Upside- und Downside-Entwicklungen jederzeit sichtbar macht. Erst damit lässt sich einschätzen, welche Annahmen noch tragen, wo sich Risiken aufbauen und welche Handlungsoptionen sich daraus ergeben. Planungssicherheit entsteht damit nicht durch mehr Detailtiefe, sondern durch die Fähigkeit, unterschiedliche Entwicklungspfade strukturiert abzubilden und bei Bedarf schnell zwischen ihnen umzuschalten.

Drei Prüfsteine für CFOs mit vielen Einheiten

Für CFOs mit mehreren Gesellschaften, Profit-Centern oder gewachsenen Organisationsstrukturen stellt sich nicht nur die Frage nach besserem Reporting. Entscheidend wird, an welchen Stellen die eigene Finanzorganisation unter dynamischen Bedingungen an Steuerungsfähigkeit gewinnt oder verliert. Daraus lassen sich drei Prüfsteine ableiten.

Erstens: Struktur-Autonomie prüfen. Wie schnell können organisatorische Veränderungen im System abgebildet werden? Wie lange dauert der Weg von einer neuen Verantwortungsstruktur, einer Reorganisation oder einer neuen Einheit bis zur sauberen Berichts- und Datenlogik? Und wer kann diese Anpassung vornehmen? Muss dafür jedes Mal ein eigenes IT- oder Beratungsprojekt gestartet werden, läuft die Geschäftssituation der Systemlogik voraus.

Zweitens: Forecasting-Logik schärfen. In einem volatilen Umfeld reicht es nicht mehr aus, Pläne fortzuschreiben und Abweichungen im Nachgang zu kommentieren. CFOs müssen prüfen, ob ihr Forecasting auf einer belastbaren Szenariologik beruht. Gibt es definierte Basis-, Upside- und Downside-Szenarien mit konkreten Annahmen und Maßnahmenpaketen? Sind zentrale Kennzahlen treiberbasiert hinterlegt, sodass Veränderungen in ihrer Wirkung auf Ergebnis, Liquidität oder Ressourceneinsatz nachvollzogen werden können?

Drittens: Prozesskontext nutzbar machen. Finanzkennzahlen müssen mit ihrem operativen Entstehungskontext verbunden sein. Können wesentliche Prozesse so abgebildet werden, dass hinter den Zahlen auch Veränderungen in Aktivitäten, Verantwortlichkeiten, Segmenten oder Abläufen sichtbar werden? Oder bleibt das Reporting auf Periodenwerte beschränkt, die zwar korrekt aussehen, aber nur begrenzt interpretierbar sind?

Die drei Prüfsteine lassen sich in einer einfachen Frage verdichten: Ist die Finanzorganisation so aufgestellt, dass sie Veränderungen nicht nur nachträglich dokumentiert, sondern frühzeitig einordnen und steuerbar machen kann? Genau an dieser Linie verläuft heute die Trennung zwischen historischer Berichterstattung und einer Finanzsteuerung, die unter Unsicherheit wirklich handlungsfähig bleibt.

Integrierte Systeme unterstützen Finanzsteuerung dort, wo Struktur, Szenarien und Kontext zusammenkommen

In seiner abschließenden Vorstellung von eGECKO erläutert André Reichenthaler, wie die CSS AG genau diese Anforderungen aufgreift und Unternehmen mit einem integrierten, anpassbaren und zugleich robusten Systemansatz bei Planung, Forecasting und Steuerung unterstützt.

Dabei wird deutlich, dass es nicht nur um effizientere Konsolidierung geht, sondern um Systeme, die Strukturveränderungen, Szenarien und steuerungsrelevanten Kontext besser abbilden können.

Das vollständige Webinar mit Mitschnitt und Unterlagen ist in der Shift/Finance Mediathek verfügbar. Zugriff erhalten Nutzerinnen und Nutzer mit Plattform-Zugang, etwa aus einer früheren Event-Teilnahme oder über den Freemium-Zugang der Shift/Finance-Plattform.

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