Das neue Jahr ist erst wenige Wochen alt, und wir sind bereits intensiv dabei, die thematischen Schwerpunkte für unsere Veranstaltungen festzuzurren. Neben dem etablierten Purchase-to-Pay FORUM und dem Finance Automation SUMMIT erweitern wir unser Programm 2026 um ein Record-to-Report FORUM und haben zugleich die zeitliche Abfolge angepasst. Mit dem R2R FORUM vertiefen wir die Diskussionen rund um Reporting, Abschlussprozesse und den Zugriff auf belastbare Finanzstatus-Informationen – in immer kürzeren Zyklen bis hin zur Echtzeit-Perspektive.
Denn sowohl die digitale Transformation insgesamt als auch die aktuelle KI-Entwicklung machen vor Rechnungs- und Finanzabteilungen nicht halt. E-Rechnung, Automatisierung, Cloud-Architekturen und KI-gestützte Verfahren sind in der Praxis angekommen und verändern Prozesse spürbar. Die zentrale Frage lautet dabei längst nicht mehr, was technisch möglich ist. Entscheidend ist vielmehr, wie automatisierte Rechnungsverarbeitungs-, Buchhaltungs- und Finanzprozesse dauerhaft stabil betrieben, gesteuert und verantwortet werden können.
Gerade entlang der durchgängigen Prozesskette von der elektronischen Rechnung über Purchase-to-Pay und Record-to-Report bis hin zum Closing zeigt sich, dass technologische Fortschritte neue organisatorische, prozessuale und Governance-Fragestellungen aufwerfen. Vor diesem Hintergrund haben wir fünf Trendthemen identifiziert, die wir für unser Veranstaltungsjahr 2026 als besonders diskussionsrelevant ansehen.
1. Regulatorik und E-Rechnung als struktureller Standard
Die E-Rechnung entwickelt sich 2026 endgültig vom Digitalisierungsprojekt zum infrastrukturellen Standard im Rechnungswesen. Mit der schrittweisen Verschärfung der regulatorischen Vorgaben wird der Einsatz EN-16931-konformer Rechnungen faktisch alternativlos. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Rechnungsdokument selbst, sondern um die Fähigkeit der Organisation, strukturierte Daten konsistent zu erzeugen, zu verarbeiten und weiterzugeben. Regulatorik wirkt damit direkt auf die Ausgestaltung der gesamten Finance-Prozesskette.
In der Praxis zwingt die E-Rechnung Unternehmen dazu, sich intensiver mit Datenqualität, Stammdaten-Governance und einheitlichen Formaten auseinanderzusetzen. Fehler, Medienbrüche oder inkonsistente Stammdaten bleiben nicht mehr auf den Rechnungseingang beschränkt, sondern wirken unmittelbar in Steuer-, Compliance- und Reporting-Prozesse hinein. Mit der verpflichtenden elektronischen Ausgangsrechnung ab 2027 wird diese Datenqualität zudem nach außen verbindlich. Verantwortung verlagert sich spürbar in vorgelagerte Vertriebs-, Leistungs- und Abrechnungsprozesse, da fehlerhafte oder unvollständige Daten nicht mehr durch nachgelagerte manuelle Korrekturen aufgefangen werden können.
Damit verändert sich auch die Rolle der E-Rechnung im Transformationskontext. Sie fungiert weniger als Innovationstreiber im engeren Sinne, sondern als Katalysator für Prozessdisziplin, formale Klarheit und verbindliche Datenstandards im Finance-Bereich. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet sie dort, wo Organisationen gezwungen sind, End-to-End-Verantwortung zu übernehmen und formale Regeln konsequent in Systeme, Prozesse und Governance zu übersetzen.
2. AI-Automation im Purchase-to-Pay: Fokus auf Sonderfälle und Entscheidungslogiken
Automatisierung im Purchase-to-Pay ist 2026 kein neues Thema mehr. Regelbasierte Workflows, Belegerkennung, Matching-Logiken und Dunkelverarbeitung sind in vielen Organisationen etabliert. Der nächste Entwicklungsschritt liegt jedoch nicht in der weiteren Automatisierung von Standardfällen, sondern in der systematischen Verarbeitung von Sonder-, Ausnahme- und Grenzfällen. Genau diese Fälle sind fachlich sensibel, stark kontextabhängig und erfordern klare Entscheidungslogiken.
Mit dem verstärkten Einsatz von KI rückt damit die Frage der Deterministik in den Vordergrund. Während klassische Automatisierung reproduzierbar arbeitet, stellen lernende und agentenbasierte Ansätze neue Anforderungen an Steuerbarkeit, Transparenz und Verantwortungszuordnung. Parallel dazu zeichnet sich eine Verschiebung im Lösungsmarkt ab. Weg von rein eingebetteter KI innerhalb einzelner Anwendungen, hin zu übergeordneten Automatisierungs- und Agentic-Schichten, die Entscheidungen koordinieren, priorisieren oder gezielt eskalieren. Der eigentliche Diskussionspunkt liegt damit weniger in zusätzlicher Automatisierung als in der Klärung tragfähiger Governance-Modelle für automatisierte Entscheidungen im P2P-Kontext.
3. End-to-End-Prozessdenken: Integration statt Systemversprechen
Über P2P, O2C und R2R hinweg setzt sich 2026 ein stärkeres End-to-End-Denken durch. Finanzprozesse werden nicht länger als Abfolge einzelner Funktionsbereiche betrachtet, sondern als zusammenhängende Wertschöpfungsketten mit klarer Ergebnisverantwortung. Dieser Perspektivwechsel ist organisatorisch vielfach vollzogen, bringt technisch jedoch neue Komplexität mit sich. End-to-End-Prozesse funktionieren nur dort, wo Systeme, Daten und Prozesslogiken konsistent integriert sind.
Technologisch rückt damit weniger das einzelne System als vielmehr die Architekturfrage in den Fokus. Klassische ERP-Suiten bleiben der stabile Kern für Buchung, Bewertung und Abschluss. Gleichzeitig werden sie zunehmend durch spezialisierte Cloud-Anwendungen und ERP-nahe Aufsätze ergänzt. End-to-End-Fähigkeit entsteht dabei nicht durch ein „Alles-aus-einer-Hand“-Versprechen, sondern durch saubere Integration über Systemgrenzen hinweg. Diese Integration betrifft Datenmodelle ebenso wie Entscheidungsregeln und Prozesslogiken. Je stärker automatisiert wird, desto geringer ist der Spielraum für nachgelagerte Korrekturen. Parallel wächst der Bedarf an klarer Governance, um Verantwortung und Transparenz trotz technischer Integration bewusst zu organisieren.
4. Record-to-Report, Closing und Continuous Accounting: Automatisierung braucht Vertrauen
Im Record-to-Report- und Closing-Kontext liegt die zentrale Herausforderung 2026 nicht mehr in der reinen Beschleunigung von Abschlussaktivitäten. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie weit sich Buchungs-, Abstimmungs- und Reconciliation-Prozesse tatsächlich automatisieren lassen. Technisch verfügbare Automatisierung wird in der Praxis häufig weiterhin durch manuelle Überprüfung ergänzt, da Accounting den Systemen nicht vollständig vertraut. Dieses Misstrauen ist fachlich begründet, solange Haftung, Prüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit automatisierter Buchungen nicht eindeutig geregelt sind.
Damit rückt Governance in den Mittelpunkt. Automatisierte Abschlussprozesse erfordern klar definierte Entscheidungsregeln, systematische Kontrollen und transparente Eingriffsmöglichkeiten. Erst wenn automatisierte Buchungen als fachlich korrekt, vollständig und rechtlich belastbar gelten, kann manuelle Absicherung schrittweise reduziert werden. Diese Automatisierung ist zugleich die Voraussetzung für weitergehende Zielbilder wie Continuous Accounting, bei denen Buchung, Abstimmung und Kontrolle laufend erfolgen und nicht mehr ausschließlich periodisch organisiert sind.
5. Finance Operating Model: Organisation wird zum Engpass der Transformation
Eine zentrale Erkenntnis aktueller Analysen zur Digitalisierung im Rechnungswesen ist klar: Nicht die Technologie begrenzt die Finance-Transformation, sondern die Organisation. Automatisierung, KI-Funktionen und integrierte Systeme sind in vielen Unternehmen verfügbar oder bereits implementiert. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, diese Fähigkeiten in Rollen, Verantwortlichkeiten, Entscheidungslogiken und Governance-Strukturen im Finance-Bereich zu verankern.
Damit rückt 2026 das Finance Operating Model in den Mittelpunkt. Bestehende Strukturen sind häufig noch auf manuelle Kontrollen, funktionale Zuständigkeiten und periodische Steuerung ausgerichtet. Diese Logik passt immer weniger zu automatisierten End-to-End-Prozessen, kontinuierlicher Verbuchung und systemgestützten Entscheidungen. Automatisierung entfaltet ihren Nutzen nicht durch zusätzliche Tools, sondern erst dann, wenn Organisation, Prozesse und Governance konsequent darauf ausgerichtet sind. Das Finance Operating Model wird damit zur zentralen Stellschraube der weiteren Transformation.
Fazit: Wo diese Trends diskutiert werden müssen
Entlang dieser fünf Themen wird deutlich, dass die technologische Basis im Rechnungs- und Finanzwesen gelegt ist. Die entscheidenden Fragen für 2026 liegen nicht mehr in der Tool-Auswahl, sondern in Integration, Governance, Verantwortung und tragfähigen Operating Models.
- Regulatorik und E-Rechnung zwingen zur Auseinandersetzung mit Datenqualität und End-to-End-Disziplin.
- AI-Automation im P2P verschiebt Entscheidungen in Systeme und macht Governance zur Kernfrage.
- End-to-End-Prozesse verlangen neue Architektur- und Integrationsentscheidungen.
- R2R und Closing rücken Vertrauen in automatisierte Buchungen ins Zentrum.
- Und das Finance Operating Model entscheidet letztlich, ob all das steuerbar bleibt.
In unseren Veranstaltungen wollen wir diese Themen in diesem Jahr aufgreifen und freuen uns über jegliches Mitwirken - als Partner, als Referenten oder nur als mitdiskutierende Teilnehmende. Denn 2026 braucht die strukturierte Diskussionen, den Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Orientierungsarbeit, um das Thema voranzubringen.
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