
In vielen Finance-Organisationen verdichtet sich aktuell ein Spannungsfeld, das sich nicht mehr über einzelne Automatisierungsinitiativen oder Prozessoptimierungen auflösen lässt. Abschlussprozesse sollen schneller, transparenter und früher steuerungsrelevant werden. Gleichzeitig wird erfahrene Fach- und Führungsexpertise im Rechnungswesen knapper. Was lange als temporärer Engpass galt, entwickelt sich zunehmend zu einer strukturellen Herausforderung für Closing-, Reporting- und Governance-Modelle.
Diese Entwicklung ist kein isoliertes Phänomen, sondern Teil einer größeren Verschiebung, die wir auch in unserer Jahresbetrachtung zur KI-Transformation im Rechnungs- und Finanzwesen 2026 eingeordnet haben: 👉 https://www.shiftfinance.de/blog/quo-vadis-ki-transformation-in-rechnungs-und-finanzwesen-unsere-jahresbetrachtung.html
Dort zeigt sich deutlich, dass technologische Möglichkeiten vielerorts weiter sind als die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen, unter denen sie wirken sollen. Genau diese Diskrepanz rückt nun stärker in den Fokus der Diskussionen.
Wenn der Engpass im Tagesgeschäft sichtbar wird
Der Fach- und Führungskräftemangel bleibt nicht abstrakt. Er zeigt sich konkret im Monats- und Jahresabschluss. Reconciliations dauern länger, Journale werden später freigegeben, Reviews konzentrieren sich auf wenige erfahrene Personen. Führungskräfte rutschen operativ in den Close, um Stabilität sicherzustellen. Zeit für Analyse, Weiterentwicklung oder strukturelle Anpassungen fehlt zunehmend.
In diesem Kontext gewinnt das Zielbild eines Continuous Close an Bedeutung – nicht als kurzfristiges Projekt, sondern als Orientierung, wie Abschlussfähigkeit grundsätzlich neu gedacht werden kann. Continuous Close beschreibt dabei keinen erreichbaren Endzustand, sondern ein internes Referenzbild: Abschlussreife entsteht schrittweise und kontinuierlich, nicht erst am Periodenende. Genau diese Einordnung ist wichtig, um falsche Erwartungen zu vermeiden. (Siehe auch Beitrag zur Begriffsklärung)
Warum R2R-Initiativen unter Druck geraten
Genau an dieser Stelle geraten viele Record-to-Report-Initiativen unter Druck. Sie starten mit klarer Zielsetzung, verlieren aber im laufenden Betrieb an Dynamik. Nicht, weil das fachliche Verständnis fehlt, sondern weil knappe Expertise zuerst für die Absicherung des Tagesgeschäfts eingesetzt wird. Fortschritte entstehen punktuell, bleiben aber fragmentiert. Die angestrebte End-to-End-Wirkung stellt sich nicht ein.
Auffällig ist, dass sich diese Fragmentierung weniger an Technologien zeigt als an fehlender Verzahnung konkreter Fähigkeiten. Laufende Reconciliations, frühere Bewertungen, automatisierte Journale oder kontinuierliche Kontrollen werden oft einzeln adressiert. Als Continuous-Close-Capabilities bilden sie zwar die funktionale Grundlage für einen belastbaren Abschluss, entfalten ihre Wirkung jedoch nur begrenzt, solange sie nicht in eine konsistente R2R-Logik eingebettet sind.
Struktur vor Personen: der eigentliche Prüfstein für R2R
Gerade im Kontext des Fach- und Führungskräftemangels wird sichtbar, woran viele R2R-Ansätze letztlich hängen bleiben. Entscheidungslogiken sind implizit, Erfahrungswissen bleibt personenabhängig, Verantwortung ist nicht systemisch verankert. Unter diesen Bedingungen lässt sich knappe Expertise kaum skalieren – sie wird gebunden, statt wirksam eingesetzt.
Record-to-Report ist damit kein Ersatz für Erfahrung. Aber R2R entscheidet darüber, ob vorhandene Expertise strukturell abgesichert wird oder dauerhaft im operativen Absicherungsmodus verharrt. Erst wenn Abschlusslogiken, Kontrollen und Verantwortlichkeiten konsequent End-to-End gedacht werden, entsteht Entlastung – nicht durch mehr Geschwindigkeit, sondern durch mehr Verlässlichkeit.
Warum wir die Diskussion jetzt bewusst vertiefen
Die anstehenden Diskussionen im Rahmen des Finance Automation SUMMIT machen deutlich, dass Automatisierung allein nicht ausreicht, um den aktuellen Druck auf Finance-Organisationen aufzufangen. Genau aus diesem Grund setzen wir das Record-to-Report FORUM als eigenständiges Format auf. Nicht, weil es an Visionen fehlt, sondern weil die strukturellen Fragen hinter R2R bislang zu wenig Raum bekommen haben.
Welche Abschlussarbeiten müssen tatsächlich manuell bleiben? Wo kann Struktur Erfahrung absichern? Und welches Financial Operating Model trägt diese Realität dauerhaft – unter laufendem Abschlussbetrieb?
Diese Fragen markieren den Punkt, an dem Record-to-Report vom Prozess- zum Strukturthema wird – und genau dort setzen die kommenden Diskussionen an.
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